Um zu verstehen, was das Höhentrainings überhaupt bewirkt,
schauen wir uns zunächst einmal an, welche Prozesse dabei im Körper
ablaufen. Durch den geringeren Luftdruck in der Höhe und den damit
verbundenen geringeren Partialdruck des Sauerstoffs gelangt bei der Atmung
relevant weniger Sauerstoff über die Lunge ins Blut. Es kommt zu einer
Unterversorgung der Muskulatur mit Sauerstoff und einer Verringerung der
Leistungsfähigkeit. Um diesen Effekt auszugleichen bildet der Körper
nun vermehrt Erythropoetin, was in der Folge zu einer verstärkten Bildung
von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) führt. Dabei sinkt der
Plasmaanteil des Blutes, dies führt zu einem erhöhten Hämoglobin-
und Hämatokritwert. Durch diese Anpassungsreaktionen wird die
Sauerstofftransportkapazität erhöht, so dass nach einer Zeit auch
in der Höhe wieder die gleiche Leistung wie zuvor erzielt werden kann.
Nach der Rückkehr aus dem Höhentraining ins Flachland ist
das Leistungsvermögen größer als zuvor. Die Lunge bekommt
wieder mehr Sauerstoff, gleichzeitig kann aber auch mehr Sauerstoff zu den
Muskeln transportiert werden als vor dem Höhentraining, da mehr rote
Blutkörperchen zum Sauerstofftransport im Blut zur Verfügung stehen.
Damit das Höhentraining überhaupt erfolgreich ist, gilt es jedoch
einige Dinge zu beachten. So sollten die ersten 4-6 Tage in der Höhe
zur Akklimatisation genutzt werden. Auf intensive Belastungen sollte in dieser
Zeit verzichtet werden. Erst danach kann wieder in gewohntem Umfang trainiert
werden. Da die verstärkte Erythrozytenbildung erst nach 2 Wochen nachweisbar
ist, sollte ein Höhentrainingslager mindestens 2, besser aber 3 oder
4 Wochen dauern. Der Athlet muss außerdem absolut gesund und mit einer
bereits guten aeroben Ausdauer anreisen. Nach der Rückkehr ins Flachland
ist ebenfalls wieder eine Akklimatisation nötig, die zwischen 7 und
10 Tage dauert.
Dagegen entfällt beim Training in mittleren Höhenlagen (um ca.
500 m) wie z.B. in der Eifel die Akklimatisationsphase völlig. Der Sportler
kann vom Tag der Anreise an sein gewohntes Trainingsniveau beibehalten oder
sogar intensivieren. Außerdem ist der Trainigserfolg nicht von einem
Mindestaufenthalt abhängig. Auch mit einem kurzen Trainingslager
können schon wirkungsvolle Trainingsreize gesetzt werden. So kann man
sich auch ohne den Höhentrainingseffekt verbessern, vor allem dann,
wenn nur eine begrenzte Zeit für einen Trainingsaufenthalt zur
Verfügung steht.
Dabei ist die Anreise in die bekannten europäischen
Höhentrainingsgebiete ist wesentlich aufwändiger als beispielsweise
in die Eifel. Von der deutschen Grenze aus sind es noch mehrere Stunden Fahrtzeit
bis nach St.Moritz oder Davos und nach Font Romeu (FRA) benötigt man
sogar noch länger. Dazu kommen neben den Benzinkosten noch zusätzliche
Kosten für Autobahnvignetten und Maut. In die Eifel hat man aus einem
großen Teil Deutschlands eine nur relativ kurze Anreise, so dass auch
der An- und Abreisetag noch als Trainningstag genutzt werden kann.
In Sachen Streckenprofil kann sich das Trainingsgebiet rund um Nideggen-Schmidt
durchaus mit St.Moritz vergleichen lassen. Auch wenn natürlich rundherum
das Alpenpanorama fehlt, bietet auch die Eifellandschaft viel fürs Auge.
Lediglich eine Kunststoffbahn gibt es in der direkten Umgebung von Schmidt
nicht, hier muss man sich mit einer einfachen Aschenbahn zufrieden geben.
Mit dem mondänen Ort St.Moritz kann Schmidt dann natürlich nicht
mehr mithalten, hat aber demgegenüber deutlich mehr zu bieten als z.B.
Font Romeu oder Sestrieres. Auch klimatisch ist es in der Eifel deutlich
unproblematischer als im Hochgebirge, wo man sich selbst im Sommer immer
auf einen plötzlichen Kälteeinbruch einstellen muss und wo es in
jedem Monat im Jahr schneien kann.
Abschließend kann man also sagen, dass sich Höhentraining nur
dann wirklich lohnt, wenn man mehrere Wochen am Stück in der Höhe
verbringen kann und auch schon gut austrainiert in die Höhe fährt.
Für Spitzensportler ist es deshalb ein wichtiges Element in ihrem Training.
Für Freizeitsportler dagegen ist es sinnvoller, auf den Aufenthalt in
der Höhe zu verzichten und sich statt dessen z.B. bei der Running Academy
in der Eifel auf einen Saisonhöhepunkt vorzubereiten.
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